Verband Deutscher Lehrkräfte im Ausland

„Ansehen der deutschen Bildung in Ägypten ist sehr groß“

Kulturmittler, KMK, Botschaft und Wirtschaft bei VDLiA-Treffen in Kairo

„Das Ansehen der deutschen Bildung in Ägypten ist sehr groß“, sagt Thilo von Gilsa, Kulturattaché der deutschen Botschaft in Kairo, zu Beginn des Treffens deutscher Kulturmittler mit Vertretern der Wirtschaft und dem KMK-Beauftragten Hamburgs. „Deutsche Schulen haben hier in Kairo eine über 150 Jahre lange Tradition. Mit fünf deutschen Auslandsschulen liegt der Standort auf Platz drei hinter den Vereinigten Staaten und Spanien“, betonte von Gilsa beim Treffen des VDLiA. Gastgeber war die Deutsche Schule der Borromäerinnen in Kairo.

An den deutschen Schulen in Kairo konnte der VDLiA-Vorstand auf seiner diesjährigen Auslandssitzung eine hochmotivierte und erfolgreiche Arbeit der Deutschen Schulen im Ausland beobachten. Gleichzeitig wurden jedoch auch Herausforderungen sichtbar – insbesondere die zunehmend schwierige Versorgung mit Lehrkräften am Standort.

KMK-Beauftragter: „Es gibt weiterhin ausreichend Lehrkräfte fürs Ausland“

„Es gibt weiterhin ausreichend Lehrkräfte fürs Ausland“, sagte Dr. Jochen Schnack, der KMK-Beauftragte der Freien und Hansestadt Hamburg. Allerdings sei die Akquise nach seinem Eindruck in einigen Weltregionen schwieriger geworden. „Dazu gehört auch Nordafrika“, so Schnack während des Treffens in der ägyptischen Metropole.

Er wirbt zugleich um Verständnis für die Bundesländer, denen teils vorgeworfen werde, nicht ausreichend Lehrkräfte für den Dienst im Ausland zur Verfügung zu stellen: „Ein eventueller Mangel an Lehrkräften im Inland zeigt sich automatisch auch im Ausland. Das gilt beispielsweise für Mangelfächer wie Physik und Mathematik in besonderem Maße“, erklärte Schnack.

Die Bundesländer müssen die vermittelten Lehrkräfte für den Auslandsdienst freistellen – also ADLK und BPLK. Das vergleichsweise kleine Hamburg stellt aktuell allein rund 130 ADLK für die Arbeit an Deutschen Auslandsschulen zur Verfügung. Als KMK-Beauftragter und Mitglied im Bund-Länder-Ausschuss für schulische Arbeit im Ausland (BLASchA) koordiniert Schnack für die Hansestadt die Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen aus den anderen Bundesländern.

Wegfall der Freiwilligenförderung stellt manche Schulen vor Herausforderungen

Der Wegfall der Freiwilligenförderung durch die ZfA stellt manche Schulen derzeit vor große Herausforderungen. Speziell in Kairo musste mindestens eine Schule das Schulgeld erhöhen, nachdem die Fördergelder weggefallen waren.

Das hat auf die Arbeit der Schulen in dieser Region besonders starke Auswirkungen, erklärt der Vorsitzende des VDLiA, Dr. Thomas Lother: „Die deutschen Schulen in Kairo werden zu bis zu 90 Prozent von ägyptischen Kindern besucht. Deren Eltern sind steigender Inflation oder wirtschaftlichen Problemen oft viel direkter ausgesetzt und deshalb auch von Schulgelderhöhungen stärker betroffen.“

Das Schulgeld für Kinder aus eingereisten deutschen Familien wird häufig von den jeweiligen Botschaften oder den deutschen Firmen übernommen, für die die Eltern arbeiten.

„Der Standortvorteil dieser lebendigen und überaus engagierten Begegnungsschulen, die wir hier vor Ort besuchen durften und die tief in die heimische Bevölkerung hinein deutsche Kultur und Sprache – teils seit Generationen – vermitteln, ist leider gleichzeitig auch ein Nachteil für sie“, so Lother weiter.

Engere Zusammenarbeit und Austausch von allen Seiten gewünscht

Eigene Kräfte bündeln

Um mögliche wegfallende offizielle Unterstützung auszugleichen, schlägt Frank Breuer vor, die Zusammenarbeit vor Ort eigenständig auszubauen. Eine gemeinsame Fortbildungsdatenbank sei in Planung, und eine engere Zusammenarbeit könne bereits im kommenden Schuljahr starten, so der Fachberater Deutsch für die Region Ägypten, Libanon und Tunesien.

„Die Schülerinnen und Schüler aus Ägypten wollen nach Deutschland. Viele von ihnen interessieren sich für Ingenieurwissenschaften. Wir müssen diese motivierten Jugendlichen abholen und unterstützen. Das ist ein großer Mehrwert, den die Deutschen Auslandsschulen an Deutschland zurückgeben können“, sagte Breuer.

Tabea Schütt arbeitet derzeit an der Europa-Schule Kairo (ESK) im Stadtteil Neu-Kairo. Als Fachleitung für Deutsch und DFU unterstützt sie den Vorschlag einer engeren Vernetzung der Schulen vor Ort und wünscht sich, dass Ressourcen und Kompetenzen gebündelt werden. Zu aktuellen Themen – von KI bis Sprachbildung – gebe es bereits viele gute Kurse.

„Noch 2022 gab es persönliche Treffen, bei denen man andere Schulen direkt erleben konnte. Das Zwischenmenschliche fehlt zurzeit sehr – ebenso die Zeit, sich auch einmal im Schulalltag und nicht nur nachmittags kollegial auszutauschen“, sagte Schütt.

Deutschlehrkräfte mit guten Sprachkenntnissen heiß begehrt

Der Lehrkräftemangel im Bereich DaF ist in Ägypten derzeit groß. Das liegt vor allem an der hohen Nachfrage: Deutschlehrkräfte sind begehrt – und zwar nicht nur im Bildungsbereich. Aufgrund besserer Vergütung arbeiten manche Deutschlehrkräfte inzwischen in anderen Bereichen, etwa in Callcentern deutscher Firmen oder als Lehrkräfte für Integrationskurse bei Online-Sprachschulen.

„Aufgrund der vergleichsweise hohen Vergütung ist das für unsere Lehrkräfte sehr attraktiv“, erklärte Nivin El Sioufy vom Goethe-Institut Kairo. „Dem Lehrkräftemangel kann man hier vor Ort nur begegnen, indem wir ein nachhaltiges DaF-Ökosystem schaffen und die Qualität der Lehrkräftequalifizierung langfristig verbessern“, ergänzte sie.

Das Lehramt als Beruf ist nicht mehr populär

Dr. Mona Ayoub, Alumna und heute Vorstandsmitglied der Deutschen Evangelischen Oberschule Kairo (DEO) sowie Beraterin des ägyptischen Bildungsministeriums, führt den Gedanken weiter aus:

„Das Problem ist grundsätzlicher Natur. Denn das Thema Lehramt ist bei jungen Menschen nicht mehr populär. Dabei brauchen wir sie als potenzielle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“

Sie wirbt dafür, Absolventinnen und Absolventen deutscher Schulen gezielt als zukünftige Lehrkräfte zu gewinnen: „Diese Menschen müssen wir nicht mehr sprachlich schulen. Sie müssen auch nicht interkulturell integriert werden. Sie bringen bereits alles mit, was wir an den deutschen Schulen in Ägypten und weltweit brauchen“, sagt die vierfache Mutter, deren Kinder ebenfalls die DEO besuchen beziehungsweise bereits abgeschlossen haben.

Nadine Schabert, Schulleiterin der Rahn-Schule – einer rein privat finanzierten DSD-Schule in Kairo – ergänzt: „Von den Ortslehrkräften haben wir an unserer Schule bereits einige ehemalige Absolventinnen und Absolventen deutscher Schulen gewinnen können. Sie werden bei uns als Lehrkräfte beginnen. So sichern wir für einige Jahre die Qualität unseres Unterrichts.“

Auch sie spricht sich für eine verstärkte lokale Zusammenarbeit aus: „Wir sind hier vor Ort zwar in gewisser Weise auch Konkurrenten, vertreten aber dieselben Ziele und Werte. Deshalb sollten wir uns gegenseitig unterstützen.“

Zum Abschluss ihres Arbeitsbesuchs an den Deutschen Schulen in Kairo veranstaltete der Vorstand des VDLiA dieses Treffen in der Deutschen Schule der Borromäerinnen. Rund 25 deutsche Kulturmittlerinnen und Kulturmittler trafen sich dort zu dem mehrstündigen Austausch mit freundlicher Unterstützung der Schwestern sowie der Schulleitung der Deutschen Schule der Borromäerinnen. Auch die Außenhandelskammer, der DAAD und das Goethe-Institut waren vertreten.

Hintergrund: Deutsche Schulen in Ägypten – Tradition seit über 150 Jahren

Die fünf wichtigsten deutschen Schulen in der ägyptischen Hauptstadt:

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