Verband Deutscher Lehrkräfte im Ausland

DS in Caracas: „Wir wissen nicht, was passieren wird“

Deutsche Lehrer mussten Venezuela schon im November verlassen

Die entsandten Lehrer der Deutschen Schule (DS) Caracas mussten das Land auf Dienstanweisung hin schon im November vergangenen Jahres verlassen. Sie arbeiten seitdem im Distanzunterricht. Das betrifft auch Bastian Pietsch aus München. Er musste mit Frau und seinen drei kleinen Kindern über Kolumbien ausreisen, da internationale Flüge Ende November schon gestrichen waren.

Da die Familie wegen des Auslandseinsatzes in dem südamerikanischen Land seinen Wohnsitz in Deutschland aufgegeben hat, arbeitet er zurzeit von Spanien aus. Der 44-jährige studierte Mathematiker und Theologe auf Lehramt und berichtet über die Herausforderungen der Arbeit als Pädagoge in einem Krisengebiet. Nach Monaten der politischen Spannungen zwischen den USA und Venezuela und Angriffen auf angebliche Drogenboote hatten Anfang Januar US-Streitkräfte Venezuela angegriffen und Staatschef Maduro in die USA gebracht. Wann die Familie zurückkehren kann ist unklar. Solange die Gefahrenlage als hoch eingeschätzt wird, ist eine Rückreise nicht möglich. Dieses Schicksal teilt die ADLK mit anderen Standorten wie beispielsweise der DS in Kiew, wo lange Zeit der Schulleiter nicht ins Land reisen konnte. „Wir wissen nicht, was passieren wird“, so Bastian Pietsch im Interview mit dem VDLiA.

Hier hören Sie Bastian Pietsch im O-Ton:

0 Die Verhaftung des Präsidenten Maduro wurde zunächst von der Familie positiv aufgenommen, so Bastian im Interview:

1 Zunächst war der 44-jährige Bastian Pietsch in Mexiko als BPLK beschäftigt. Dort hat er auch seine Frau kennengelernt. Mit der Venezolanerin ist er dann nach 4 Jahren in Deutschland 2022 nach Caracas gegangen und unterrichtet Mathematik und katholische Religionslehre.

2 Er ist im vierten Jahr vor Ort an der Schule im Einsatz, zurzeit muss er von Spanien aus im Distanzunterricht arbeiten.

3 Die Arbeit als Pädagoge im Ausland ist anders als in Deutschland, macht ihm aber in Venezuela besonders Spaß:

4 Auch unabhängig von den politischen Problemen und einem krisenhaften Umfeld ist die Arbeit an einer Deutschen Auslandsschule immer eine Herausforderung, so Bastian.

5 Die Militäraktion hat sich schon lange angekündigt, berichtet Bastian:

8 Die Unterstützung durch die betreuenden Stellen hat sich mittlerweile verbessert.

Hintergrund
Laut eigener Angaben wurde das Colegio Humboldt in Caracas 1894 als Deutsche Schule gegründet und ist seit 1999 eine private deutsch-venezolanische Begegnungsschule. Das bedeutet, sie unterrichtet sowohl nach deutschen als auch venezolanischen Vorgaben und einheimische wie ausländische Kinder besuchen die Institution. Sie führt zum venezolanischen Abschluss, dem Bachillerato, und zum Deutschen Internationalen Abitur. Beide Abschlüsse berechtigen zum Hochschulstudium.

Homepage der Schule: https://humboldtcaracas.com/

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